Einträge im August 2007
Die Arktis schmilzt: Fluch oder Segen?
Am Flughafen bei der Rückreise fiel mir in Berlin die “Berliner Morgenpost” in die Hände. Darin war unter Anderem auch eine interessante Reportage über das Schmelzen der nördlichen Polkappe zu finden. Unser Klima wird es wohl wahrscheinlich negativ beeinflussen, aber auch unsere Wirtschaft? Ich zitiere:
“Berlin- Schon in wenigen Jahrzenten könnte klimabedingt das arktische Meer im Sommer in weiten Teilen ohne Eis sein. Dem internationalen Handel öffnen sich dadurch leichter zu befahrende Seewege in Form der Nordost- und Nordwestpassage. Aber die acht Anrainerstaaten Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark, Island, Kanada, Russland und die USA können dann auch leichter auf die Reichtümer der Erde zugreifen. [...]
Allein in Russlands arktischer Region lagern über 90 Prozent der nationalen Vorräte an Rohstoffen wie Erdöl, Kupfer, Nickel, Gold und Diamanten. [...]
Seit den 1960er-Jahren werden in Sibirien und bei Jakutsk Erdöl und Erdgas gefördert. Norwegen verfügt über eine Eisenerzmine in Kirkenes. In dem zu Dänemark gehörenden Grönland werden Blei, Zink und Molybdän gewonnen. Der kanadische Bergbau in der Arktis liefert vor allem Uran, Kupfer, Nickel, Blei, Zink, Asbest, Eisen, Erdöl und -gas. Diese Rohstoffvorkommen setzen sich am Meeresboden fort. So schätzen Wissenschaftler des geologischen Dienstes der USA, dass rund ein Viertel der bekannten Weltvorräte an Erdöl und Erdgas in den Tiefen des arktischen Ozeans und seiner Randgebiete schlummern. So arbeiten die Energiekonzerne der arktischen Anrainerstaaten mit Hochdruck daran, die nötigen Voraussetzungen für eine Förderung dieser derzeit noch unter dem Eis des Polarmeeres liegenden Rohstoffe zu schaffen. [...]
Während Norwegen in diesem Sommer auf der Insel Melkoya die erste große Anlage dieser Art in Betrieb nimmt, plant der staatliche russische Energiekonzern Gazprom eine ganze Serie am Rand des arktischen Meeres. [...]
Um diese hochfliegenden Pläne verwirklichen zu können, ist neben wirtschaftlich-technologischer Kompetenz auch politisch-militärische Präsenz notwendig. Ein Arktis-Anrainerstaat muss in der Lage sein, seine Gebietsansprüche durch ständige Kontrollen zu betonen und die Gebietshoheit notfalls militärisch zu verteidigen. So schwelt zwischen den USA und Kanada seit Jahren schon der Konflikt über den völkerrechtlichen Status der Nordwestpassage. Im Gegensatz zu Kanada sehen sie den rund 5780 Kilometer langen Seeweg als internationales Gewässer an. Russland erhebt vorsorglich bereits Gebietsansprüche auf zwei Drittel der Arktis und streitet in der Barentssee mit Norwegen. Dänemark unterstreicht seinen Anspruch auf den Nordpol, sieht es ihn doch als natürliche geologische Fortsetzung Grönlands. Ebenso streiten sich Kanada und Russland um den nördlichsten Punkt der Erde.” (Berliner Morgenpost, Mittwoch, 15. August 2007, S. 3)
Atommüllentsorgung im Jahr 1957
Im Urlaub habe ich ein sehr interessantes Buch gelesen: Bill Bryson; Eine kurze Geschichte von fast allem. Dabei wurde die aktuellen Erkenntnisse aus der Wissenschaft und die Entstehung des Lebens usw. beschrieben. Ein kleiner Teil daraus erscheint mir sehr wichtig, daher möchte Ihn an dieser Stelle zitieren:
“Man wollte untersuchen , ob sich die Tiefsee zur Entsorgung radioaktiver Abfälle nutzen ließe. Wohlgemerkt: Das war keinewegs eine geheime Verabredung, sondern eine stolze öffentliche Ankündigung. Auch wenn darüber nicht viel berichtet wurde, war die Versenkung radioaktiver Abfälle 1957/58 sogar schon seit über zehn Jahren im Gange, und das mit einem ziemlich entsetzlichen Nachdruck. Seit 1946 transportierten die Vereinigten Staaten den Atommüll in Fässern zu je 45 Gallonen (knapp 200 Liter) auf die Farallon Islands etwa 50 Kilometer vor der kalifonischen Küste bei San Francisco, und dort wurden sie einfach über Bord geworfen.
Es war eine geradzu unglaubliche Achtlosigkeit. Meist handelte es sich um Fässer der gleichen Art, wie man sie auch in rostigem Zustand hinter Tankstellen oder auf Fabrikhöfen stehen sieht, irgendwelche Schutzummantelungen gab es nicht. Wenn sie im Wasser nicht untergingen, was häufig vorkam, schossen Marineschützen Löcher hinein, sodass Wasser eindringen konnte (wobei natürlich Plutonium, Uran und Strontium freigesetzt wurden). Bevor diese Praxis in den neuniger Jahren des 20. Jahrhunderts eingestellt wurde, hatten die Vereingten Staaten an ingesamt 50 Stellen im Ozean mehrere 100 000 Fässer versenkt, davon allein 50 000 bei Farallon Islands. Und die USA standen durchaus nicht allein. Weitere eifrige Atommüll-Entsorger waren Russland, China, Japan, Neuseeland und fast alle europäischen Staaten.” (Bill Bryson: Eine kurze Geschichte von fast allem, 2003, S. 354f.)