Öl-Diktaturen und die Folgen
Heute hatte ich in der Mittagspause ein wenig Zeit in meinem überaus spannenden Buch “Schwarzbuch Öl” zu lesen. Der Teil, den ich heute gelesen habe, befasste sich mit den Diktaturen im Nahen Osten und in Afrika. Ich möchte aus einem Kapitel einige Sätze zitieren, um mal die Folgen des Ölkonsums auf zu zeigen:
“[…] Ölreiche Regimes können auf die Erhebung von Steuern weitgehend verzichten - weil sie ohnehin genug Staatseinnahmen aus den Ölerlösen lukieren - und damit auch auf Mitbestimmung. Wer Geld vom Volk will, muss es mitreden lassen: Während in Österreich Steuern und Abgaben 45,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmachen […], sind es in Kuweit nur 3,4 Prozent des BIP […].[…]
Drei Faktoren ergeben in ihrem Zusammenhang das, was man als den “Fluch der Ressourcen” bezeichnet. Der erste Faktor ist der “Renten-Staat-Effekt”. Renten-Staat deshalb, weil dem Staat das Geld in den Schoß fällt und nicht erarbeitet werden muss.[…]
Der zweite Faktor […] ist der “Repressions-Effekt”: Petro-Regimes misstrauen dem Volk, das sie nicht gewählt hat, und bauen einen ausgeklügelten und wohl dotierten Repressions-Apparat auf, der jegliche demokratischen Aspirationen möglichst schon im Keim erstickt.[…]
Der “Modernisierungsverweigerungs-Effekt” wiederum verhindert, dass die Arbeitskräfte des Öl-Staates Jobs in lukrativen Branchen wie in der Konsumgüter-Industrie oder im Dienstleistungsbereich finden.[…] Öl- und Erzvorkommen stehen mit anti-demokratischen Trends in den jeweiligen Regionen in Zusammenhang und zwar nicht nur im Nahen Osten,[…].”
In dem Artikel zuvor wurden die Missstände des Öllandes Äquatorialguinea aufgezeigt, wo sich der Diktator “Teodor Obiang Nguema Mbasago” an den Öleinkünften bereichert und kaum etwas davon in den Aufbau des Landes steckt. Das Volk lebt weiter in Blechhütten.”Dabei könnten alle Menschen dort in Wohlstand leben: Mit 65% Wirtschaftswachstum ist Äquatorialguinea die am schnellsten wachsende Wirtschaft Afrikas”. Ölfirmen wie ExxonMobil kaufen kräftig in Äquatorialguinea ein.
So schließt sich der Kreis. Wir Europäer haben ein Wahlrecht, was uns an politischen Entscheidungen teilhaben lässt und kaufen kräftig Öl in Lybien ein, um damit PET-Flaschen, überaus praktische syntetische Stoffe, den Asphalt unserer Straßen und vieles mehr herstellen zu können. Ich möchte natürlich nicht vernachlässigen, dass wir aus dem Öl, auch den Treibstoff unseres heiß-geliebten Autos und die wollige Wärme in den Wohnzimmern entstehen lassen. Somit unterstützt Jeder von uns indirekt Diktaturen in afrikanischen Ländern und verbaut deren Einwohnern jegliche Chance auf Bildung und Wohlstand.
Ist das gerecht? Sind wir denn wirklich so abhängig von Öl?
Ich zitierte aus: Seifert, Th., Werner K.: Schwarzbuch Öl. Wien: Deutige Verlag 2005. S. 160-166.
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/413790?inPopup=true
http://www.ewec2008.info/