Eintäge für den 9. April 2008
Einfluss der Ozeanzirkulation auf das Klima Europas
Eben komme ich aus der Uni, wo ich mir einen Vortrag im Rahmen einer Ringvorlesung zum Thema Klimawandel anhörte. Der Referent war Prof. Dr. Jochem Marotzke vom MPI – Meteorologie in Hamburg.
Er hielt einen überaus interessanten Vortrag über die Wirkung des, im Volksmund bekannten, “Golfstroms” und dessen Einfluss auf das Klima Europas. Zunächst muss man aber klären, dass der Golfstrom nur der Teil dieser Meeresströmung ist, der am Golf von Mexico und vor Florida zu finden ist. Auf dem Atlantik teilt sich dieser Strom. Der eine Teil “fließt” an Afrika entlang mit warmen Wasser wieder zurück zum Golf von Mexiko. Dieser Kreislauf wird als subtropischer Wirbel bezeichnet und ist für Klimaveränderungen unrelevant. Der zweite Teil strömt weiter gen Norden an der europäischen Atlantikküste entlang zur Arktis. Dort nimmt die Temperatur ab (3-4K). Dabei sinkt das Wasser zu Boden, um dann wieder gen Süden zu Strömen. Diesen Kreislauf nennt man Thermohaline Zirkulation (THZ), welche relevant für Klimaänderungen und verantwortlich für das gemäßigte Klima in Europa ist. Das Thermo steht für temperaturbedingt und das Halin kommt von der Abhängigkeit vom Salzgehalt.
Im 4. Klimareport des IPCC (siehe Artikel) sind Klimaprognosen enthalten, die besagen, dass die Polkappe des Nordpols in 100 Jahren im Sommer eisfrei sein wird. Allerdings nach der Modellvariante A1B. Es gibt unterschiedliche Modelle, die von unterschiedlichen politischen Entwicklungen ausgehen. B1 bspw. geht von einer recht wirksamen Klimapolitik in der Zukunft aus. A2 hingegen geht von einer Politik “business as usual” aus. A1B ist dann das Mittelding. Nun gibt es aber immer wieder die Behauptung, dass durch abschmelzen des Nordpols die THZ abgeschwächt wird und Europa eine Eiszeit droht. Auch dieses Szenario wurde annähernd anhand von Modellen berechnet. Angenommen wurde der schlimme Fall tritt ein: Das Grönlandpackeis schmilzt in den nächsten 600 Jahren komplett ab. Das Ergebnis dieser Modelle zeigt, dass die THZ trotz dessen nur in geringem Maße abnehmen würde. Grund dafür ist die Relation zweier Faktoren auf den Klimawandel. Die aufheizende Wirkung des Treibhauseffektes ist 3-4mal höher als die Abschwächende Wirkung einer mangelnden THZ. Auch der Wegfall der bisher reflektierenden Eisfläche (bei Schnee werden ca. 75-85% des Lichtes reflektiert) würde zu einer Verstärkung des Treibhauseffektes führen. (Meerwasser reflektiert 10% des eingestrahlten Lichtes. Natürlich gibt es nun wieder mehrere Faktoren, die dies wieder eindämmen würden… Der Salzgehalt des Meeres ist fast überall auf der Welt gleich (31-37kg/m³), auch zeitlich gesehen ist dieser immer sehr konstant geblieben. Der treibende Keil für die Abschwächung der THZ ist also die Temperatur und die Winde.
Fakt ist, eine Eiszeit in Europa wird es auf kurzer Dauer gesehen nicht geben.