Einträge im November 2009
Der grüne Punkt – sinnvoll oder sinnlos?
Heute möchte ich über das Prinzip des „Grünen Punktes“ schreiben. In diesem Semester besuche ich eine Vorlesung zum Thema “Kunststoffrecycling“. Zunächst möchte ich das „Duale-System-Deuschtland“ (DSD) beschreiben. Es geht dabei um die Trennung von Müll. Jeder kennt den riesen Betrag auf der Betriebskostenabrechnung und ärgert sich dann über deren Höhe. Ich möchte heute beschreiben, warum es sinnvoll sein kann, die Hausgemeinschaft zur Mülltrennung zu animieren. Bei einem Dualen System ist es nicht weit her geholt zu behaupten, dass es zwei Systeme gibt. Das eine System ist das System des Restmülls, also jeder Haushaltsrestmüll. Das andere System ist das des grünen Punktes oder als gelbe Tonne bekannt.
Worin liegt nun aber der entscheidende Unterschied? Einfach darin, dass die graue Tonne/Restmüll vom Mieter getragen wird und die gelbe Tonne von den Verpackungsherstellern. Das wenn ich zu faul zur Mülltrennung bin, zahl ich kräftig aus der eigenen Tasche:
Das DSD (gelbe Tonne) wird von den Verpackungsherstellern finanziert. Im Gegenzug erhalten sie das Label des grünen Punktes. Das heißt, sie müssen sich nicht um das gesetzlich vorgeschriebene Recycling kümmern. Das übernimmt die DSD AG für den Hersteller. Die DSD finanziert von den Lizenzeinnahmen das Holsystem (also die Abholung der gelben Tonne) und das Recycling. Die Abholung der gelben Tonne ist also nicht in der Betriebskostenabrechnung enthalten! Die Abholung der grauen Tonne wird hingegen anhand des Müllvolumens dem Mieter in Rechnung gestellt. Die Städte haben daher wenig Interesse seinen Bürgern das System zu erklären.
Nur aber wieder weg von der Polemik.
Wie schon angedeutet ist eine bestimmte Recyclingquote gesetzlich vorgeschrieben. Sie ist abhängig von der zu verwertenden Fraktion (Glas, Kunststoff oder Pappe). Für Glas beträgt die Recyclingquote 75% und liegt tatsächlich bei 106%. Für Pappe gilt 60% gesetzlich und 132% tatsächlich und für Kunststoffe 60% gesetzlich und 134% tatsächlich.(Quelle: www.gruener-punkt.de)
Warum ist die tatsächliche Recyclingquote aber über 100%? Das liegt einfach daran, dass die Haushalte nicht nur lizensierten Müll (also mit „grünem Punkt“) sondern auch andere Verpackungen in die gelbe Tonne werfen. Diese Tatsache ist natürlich für das Unternehmen DSD AG nicht wünschenswert. Denn nur 100% werden lizensiert.
Was ist aber mit den Verpackungen, die keinen grünen Punkt haben? Der Verpackungshersteller ist dann verpflichtet die Verpackungen zurück zu nehmen und auf eigene Kosten zu recyceln. (z.B. dm)
Ist es denn illegal den Müll zu verbrennen? Die restlichen 40% des Mülls dürfen energetisch verwertet werden. Daher ist es nicht illegal. Aus energetischen Gesichtspunkten ist es, im Gegensatz zur Neuware, nicht sinnvoll Kunststoffe zu recyceln. Der Energieaufwand zur Herstellung von Neuware liegt für Polyethylen (PE) bei 92 GJ/t. (incl. 51 GJ/t des eigenen Energieinhalts). Der Energieaufwand PE zu recyceln (inclusive Müllsammlung, Sortierung usw. jedoch ohne Entfärbung) beträgt 108 GJ/t. Die Schweiz hat das System des grünen Punktes nicht übernommen: Dort wird jeder Müll energetisch verwertet. Als das DSD in Deutschland Mitte der Neunziger Jahre eingeführt wurde, war es in staatlicher Hand. Heute ist es ein komplett privatwirtschaftliches Unternehmen und erzielt Gewinne.
Schlussendlich kann man mit der Trennung von Müll als Mieter oder Hausbesitzer sehr viel Geld sparen! Wenn man auch seinen Hausbewohnern das System kurz erklärt, kann sich das in der nächsten Nebenkostenabrechnung bemerkbar machen!
Der ökologische Nutzen bleibt zu hinterfragen, denn ein recycelter Kunststoff muss nicht die gleichen Eigenschaften einer Neuware haben. Bei Glas und Pappe ist der ökologische Vorteil beträchtlich!