Eintäge für den 14. Dezember 2010

Der europäische Emissionshandel

Kohlekraftwerk Moorburg, bei HH im Bau

Wer hat davon noch nichts gehört? Er wird viel diskutiert. Die Einen halten ihn für unausweichlich und die Anderen schätzen ihn für wirkungslos ein. Die Rede ist vom europäischen Emissionshandel. In der Presse liest man häufig von der neuen Währung. Zu lesen sind dann häufig solche Parolen, wie: „Damit werden ja keine Emissionen eingespart, da sie ja nur hin und her geschoben werden.“ oder „Das ist mal wieder ein Deal mit Großkonzernen, da diese ihre Emissionszertifikate geschenkt bekommen haben.“ An all diesen Parolen und pauschalen Aussagen ist natürlich etwas Wahres dran. Nur das diese immer nur kleine Einzelheiten beleuchten, ohne den großen Sinn und Zweck dieses Emissionshandels richtig darzustellen.

Ich möchte in diesem Artikel mit Hilfe eines alltäglichen Vergleichs versuchen, die Funktions- und Wirkungsweise des Emissionshandels erläutern, um damit mehr Verständnis zu schaffen.

Stellen wir einmal vor, die klimaschädlichen Emissionen Deutschlands wären privatgefahrene Kilometer eines jeden Bürgers mit dem Auto. Ich nehme bewusst nur die privatgefahrenen Kilometer um das Ganze nicht unnötig zu verkomplizieren und Beschwerden aus dem Weg zu gehen. So und nun kommt die Bundesregierung und sagt: „Alle Bürger dieses Landes dürfen insgesamt 400 Mrd. km mit dem Auto fahren.“ (Ich habe mal 40 Mill. fahrende Bürger angenommen, die jährlich ca. 10.000 km fahren.) Damit begrenzt sie die maximale Anzahl an gefahrenen Kilometern im Land.

Und schont entsteht ein Markt für gefahrene Kilometer mit Nachfragern, in dem Fall den Autofahrern/ Bürgern, und dem Angebot, nämlich den 400 Mrd. km. Die Bundesregierung teilt nun jedem Bürger 5.000 km/a zu. Diese 5.000 km muss jeder Bürger als „Kilometerrechte“ kaufen. Nun gibt es Bürger, die gar kein Auto fahren, und es gibt welche, die mehr als 5000 km/a fahren. Und schon beginnt ein Handel. Die Bürger, die kein Auto fahren, verkaufen ihre „Freikilometer“ an Bürger, denen ihre 5.000 km/ a nicht ausreichen. Der Preis ergibt sich aus den nichtgenutzten Kilometern und der Anzahl der Bürger, die Kilometer nachkaufen müssen. Gibt es weniger ungenutzte Kilometer als bedürftige Bürger (Nachfrager) dann steigt der Preis. Für diesem Fall ist es für viele Bürger sinnvoll, weniger Kilometer zu fahren, weil jeder weitere Kilometer teuer wäre. Wenn allerdings mehr ungenutzte Kilometer zur Verfügung stehen als benötigt werden, dann sinkt der Preis. Das heißt, die 400 Mrd. km werden nicht vollständig verfahren.

Nun übertragen wir dieses Beispiel auf den europäischen Emissionshandel. Die Bundesregierung begrenzt die maximale Menge an CO2-Emissionen in Deutschland, durch Vorgabe dieser Höchstmenge. Ebenso verteilt die Bundesregierung die zur Verfügung stehenden Emissionen an die am Emissionshandel teilnehmenden Unternehmen. Ein Unternehmen, welches seine zugeteilte Menge an CO2-Emissionen unterschreitet, verkauft seine überschüssigen Emissionsrechte an Unternehmen, die ihre Emissionsgrenzwerte überschreiten. Und so weiter analog zum Beispiel.

Die Menge der CO2-Emissionen bleibt unabhängig von der Anzahl der Emittenten konstant und wird durch die Vorgabe der Gesamtemissionsmenge (Marktvolumen) vorgegeben. Diese Gesamtmenge wird jährlich um einen gewissen Prozentsatz gesenkt, um die Emissionen immer weiter zu reduzieren und die nationalen Reduktionsziele zu erreichen.

Und nun stellen wir uns einmal vor, die Bundesregierung würde tatsächlich ein solches System des „Kilometerhandels“ einführen. Dann müsste sich jeder Bürger 5.000 km/a kaufen. Das würde für jeden Bürger eine tiefes Loch in das Portomomaie reißen. Und genauso wäre dies, bei den Teilnehmern des europäischen Emissionshandels gewesen. Und deshalb hat man gesagt, dass den teilnehmenden Unternehmen ihre Emissionsrechte für die Pilotphase komplett und für die zweite Handelsperiode nur ein Teil kostenlos zugeteilt (geschenkt) wird.

Zusammenfassend kann man sagen, dass der europäische Emissionshandel ein wirkungsvolles Instrument ist, um CO2-Emissionen zu begrenzen. Dabei werden Marktmechanismen genutzt, um dem Ausstoss von klimaschädlichen Treibhausgasen einen Preis zu geben. Das System des europäischen Emissionshandels hat noch Lücken und Nachteile, genannt sei hier das Problem des sog. „Carbon Leakage“, wobei es sich um die Abwanderung von Unternehmen in Länder, die nicht am Emissionshandel teilnehmen, handelt, um den zusätzlichen Kosten für Emissionszertifikate zu entgehen.

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